Der „agile Festpreis“

Von Philipp Hellwig , 14.08.2018, 11:08
Der agile Festpreis - Agilität - Softwareentwicklung - IT-Beratung - PENTASYS

Foto: Adobe Stock

Agile Methoden wie Scrum und Kanban haben sich in der IT-Branche fest etabliert. Meist helfen externe Dienstleister wie die PENTASYS AG ihren Kunden dabei, agile Projekte durchzuführen. Aber wie lassen sich Projektverträge sinnvoll aushandeln? Schließlich stehen im Moment der Vertragsbindung viele der Funktionen, die das Produkt am Ende aufweisen soll, noch gar nicht fest. Die Verhandlungsführung der beiden Seiten, die Liefermodalitäten, aber auch die schlussendliche Durchführung des Projekts müssen den Modus Operandi der agilen Softwareentwicklung daher berücksichtigen.

Klassische Projekte machen die Leistungsvereinbarungen üblicherweise an den Faktoren „Time“ und „Material“ fest. Diese werden vor dem Vertragsstart bereits detailliert festgelegt, um das Risiko von einer Abweichung vom Vertrag möglichst gering zu halten. Agile Methoden haben jedoch gerade zum Ziel, Änderungen am Funktionsumfang der Software noch während der Entwicklung zu ermöglichen. Im agilen Vorgehen sind die Business-Anforderungen und ihre technische Umsetzung zudem strikt getrennt. Zwar ist der Product Owner dazu angehalten, im Team ein gleichmäßiges Arbeitstempo sicherzustellen. Bindende zeitliche Anforderungen gibt es für die Entwickler aber nicht. Dies macht eine Abrechnung, die sich rein nach geleisteten Stunden richtet, schwierig.

Unter dem Schlagwort „agiler Festpreis“ haben die Autoren Andreas Opelt und Boris Gloger deshalb ein innovatives Modell entwickelt, um auch bei agilen Projekten zu einer Vertragsübereinkunft zu kommen, die sowohl für den Auftragsgeber als auch den Dienstleister nachvollziehbar ist. Die grundlegende Idee hinter dem agilen Festpreis ist, den Projektablauf vom Ende her zu denken. Also: „Wer braucht welche Funktion und warum?“ Die Umsetzung der gewünschten Funktion und ihr zeitlicher Aufwand werden unabhängig voneinander betrachtet.

Der Vertragsaufbau beschreibt zunächst die Ziele und Anforderungen des Projekts und formuliert sie rechtssicher. Anschließend definieren Lieferant und Kunde gemeinsam den detaillierten Funktionsumfang der zu liefernden Funktionalität. Die zwei Begriffe „Epics“ und „User Stories“ spielen dabei eine wichtige Rolle. Epics beschreiben die übergeordnete Funktionsebene, User Stories hingegen die Detailebene. Der Projektfortschritt wird anhand sogenannter „Story Points“ überprüft. Der Preis und die Leistungsanforderungen richten sich nach diesen Punkten. Damit wird das Projekt für alle Beteiligten nachvollziehbar.

Der agile Festpreis kann eine Herausforderung darstellen, denn ein Umdenken ist definitiv erforderlich. Die Vorteile der agilen Softwareentwicklung machen diesen Aufwand wieder wett – nämlich kürzere Time to Market sowie ein besser auf den Anwender abgestimmtes und getestetes Endprodukt.

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