Finanz-IT in der Praxis: Wie Banken die Ex-ante-Kostentransparenz nach MiFID II umsetzen

Von Klaus Kudjakov , 14.01.2020, 11:24
MiFID II-Richtlinie

Was kostet meine Geldanlage? Die MiFID II-Richtlinie verlangt von Banken, die Kosten für Finanzprodukte klar auszuweisen. Seit Anfang 2018 sind schärfere Regelungen für die sogenannte Ex-ante-Kostentransparenz in Kraft getreten, mit Beginn des Jahres 2019 auch für die Ex-post-Kostentransparenz. Dies bedeutet, dass Kunden sowohl vor als auch nach Wertpapierkäufen oder –verkäufen über alle Einzelkosten informiert werden müssen. Der Gesetzgeber möchte damit verhindern, dass Kunden „versteckte“ Kosten eines Produkts nicht kennen und hierdurch eine falsche Anlageentscheidung treffen.

Was aus Sicht der Verbraucher – zunächst einmal – gut klingt, ist für die Geldinstitute mit einem enormen bürokratischen und vor allem technischen Aufwand verbunden. Viele Finanzprodukte und -angebote setzen sich nämlich aus mehreren Einzelkosten zusammen. Die Banken müssen diese bei jedem Angebot – zum Beispiel auch Wertpapiertransaktionen – berechnen und für ihre Kunden transparent ausweisen. Im Folgenden soll aufgezeigt werden, welche Anforderungen die Kostentransparenz mit sich bringt und wie sich jene technisch lösen lassen.

Die gesetzlichen Anforderungen erweisen sich in der Praxis als Herausforderung

Um die Ex-ante-Kostentransparenz herzustellen, sieht das Gesetz sieht vor, dass Kunden ausnahmslos alle Kostenpunkte gezeigt werden müssen. Eine Möglichkeit für Kunden, derartige Benachrichtigungen abzustellen, sieht das Gesetz hingegen nicht vor. Zudem sind dienstleistungsbezogene und produktbezogene Kosten getrennt voneinander auszuweisen und beispielsweise auch Fremdwährungskosten darzustellen. Die Ex-ante-Berechnung und -Darstellung der Kosten ist besonders komplex bei Finanzprodukten mit langer Haltedauer, beispielsweise Fonds für die Altersvorsorge. Hier muss die Bank die Gesamtkostenquote für eine bestimmte Haltedauer im vorab berechnen und in Prozent angeben.

Eine weitere Anforderung nach MiFID II besteht darin, dass die Kosteninformationen dem Kunden auf einem dauerhaft verfügbaren Datenträger zur Verfügung stehen müssen. Dies betrifft auch den Ex-ante-Kostennachweis. Die Informationen können – je nachdem welches Verfahren die Bank anbietet – per Email, PDF, SMS, Fax oder Nachricht in einem geschützten Kundenbereich auf der Webseite bereitgestellt werden. Wichtig hierbei ist, dass die bloße Anzeige in einem Frontend, also der App oder dem Browser, nicht ausreicht. 

Die Anforderungen für die Ex-post-Kostentransparenz sind für Banken alles andere als leicht in Praxis umzusetzen. Die IT-Abteilungen der Banken müssen in der Lage sein, die Prozesse technisch bereitzustellen. So muss die Kostenberechnung dynamisch, schnell und fehlerfrei bereitgestellt werden, damit Banken auch weiterhin Finanzprodukte an Kunden online vertreiben können. Auch die Erstellung und Übermittlung der Kosteninformationen muss reibungslos funktionieren. Beides zieht höhere Anforderungen an die IT nach sich, die mit der Digitalisierung der Vertriebswege und Backoffice-Prozesse ohnehin bereits alle Hände voll zu tun hat.

Regulierungen können sich wieder ändern – IT-gestützte Prozesse nehmen weiter zu

Welche Lösungen bieten sich beim Thema MiFID II also an? Zunächst könnte eine Anpassung der Regulierungen kommen: Das Bundesfinanzministerium hat im August 2019 ein Positionspapier veröffentlicht, in dem es Änderungen bei der EU-Finanzmarktrichtlinie vorschlägt. Eine solche Änderung könnte auch die Vorgaben zur Ex-ante-Kostentransparenz lockern. Die Praxis hat schließlich gezeigt, dass die Umsetzung der geforderten Kostentransparenz sehr kompliziert ist und die Bankkunden in vielen Fällen sogar eher irritiert als ihnen hilft.

Unabhängig davon, ob diese Neuregulierung bei MiFID II tatsächlich kommt, müssen die Banken ihre IT-Prozesse auf digitalen Service für die Kunden einstellen. Mit agilen Methoden und DevOps können sie die entsprechende Reaktionsgeschwindigkeit herstellen, um auf Veränderungen zu reagieren. Die agile Transformation ist deshalb der grundlegende erste Schritt, um mit den MiFID II-Regulierungen umzugehen. Die aufgrund von MiFID II eingeführten Prozesse bei der Kosteninformation lassen sich zudem nutzen, um langfristig eine bessere Kommunikation und damit Kundenbindung zu erreichen.

 

 

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