Scrum ist mehr als eine Methode. Scrum ist ein Mindset!

Von Dr. Ina Simeonova , 25.03.2019, 14:42
Scrum

 

Unsere Kollegin Dr. Ina Simeonova (Neurowissenschaftlerin) setzt sich mit Scrum auseinander...

Das Wort Scrum hörte ich zum ersten Mal, nachdem ich vor ein paar Jahren die Entscheidung gefällt hatte, mich im Projektmanagement weiter zu entwickeln. Scrum, das klang modern, jung, cool. Im Laufe einer 6-monatigen IPMA Level D-Weiterbildung von der GPM (Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement) lernte ich die Grundrisse von Scrum innerhalb eines Kurstags kennen. Viele Unternehmen betonen heute, dass sie „nach Scrum“ bzw. „agil“ arbeiten. Das Modewort Agilität ist einfach überall.  

Seine Popularität mag auch damit zusammenhängen, dass Agilität in der Theorie „so einfach“ ist. Dahinter verbirgt sich jedoch oftmals nur, von „Product Owner“ statt „Projektmanager“ zu sprechen, von „User Stories“ bzw. „Backlog“ statt „Lastenheften“ und von „Scrum Events“ statt „Team Meetings“. Irgendwann dachte ich mir im Laufe meines Werdegangs: „Kann das wirklich alles gewesen sein? Was ist daran agil? Etwa, dass es keine umfangreichen Projektpläne gibt? Dass sich das Produkt erst im Laufe der Sprints herauskristallisiert? Oder gibt es da noch mehr?“

Aus diesem Grund wollte ich mich nach meinem Wechsel zur PENTASYS AG weiterbilden und mich mit diesen Themen genauer auseinandersetzen. In Vorbereitung auf meine Zertifizierungen als Scrum Master und Product Owner habe ich meine theoretischen Kenntnisse durch empfohlene Lektüren vertieft und in der Alltagspraxis am Flipchart gebastelt. Ich könnte dazu viele kluge Sätze sagen, die Wahrheit ist aber denkbar einfach: Das alles habe ich gemacht, weil es mir Spaß macht.

Als Neurowissenschaftlerin weiß ich, dass Spielen, Lachen und Humor – sprich, das Kreative am Lernen und am Arbeiten – die Produktivität erhöhen. Nämlich indem sie für einen erhöhten Dopamin- und Endorphinspiegel sorgen und damit unsere Motivation steigern. Und dadurch sind wir glücklich! Mein Gehirn signalisiert mir vor jedem Event: „Beim nächsten Thema darfst du wieder basteln, wie schön!“. Das ist aber noch nicht alles: Die Glücksmoleküle erhöhen auch die Neugier und fördern dadurch das Erwerben von neuem Wissen, wie auch die Kreativität bei der Suche nach neuen Ansätzen. Daraus entsteht das Gefühl von Freiheit. Durch diese spielerische Herangehensweise konnte ich auch feststellen, wo der Unterschied zwischen Scrum in der Theorie und Scrum in der Praxis liegt. Nämlich im Kopf! Scrum wird zu oft über seine Events und Artefakte definiert. Dabei kommt zu kurz, worauf diese fußen: auf Werten und Prinzipien.

Diese lassen sich wie folgt definieren: Es gibt ein Ziel (ein wertvolles Produkt), auf dem der Fokus liegt – wie auch mein Vorhaben, die Scrum-Prüfung zu bestehen! – jedoch wird der Weg dorthin leichter, wenn das Produkt eine Vision ist; wenn man den Mut hat, authentisch zu sein, etwas Neues auszuprobieren und neue Lösungsansätze herbeizuführen; wenn man transparent und ehrlich kommuniziert und dabei weiß, dass man gehört wird; wenn das Gesagte nicht nur gehört, sondern auch umgesetzt wird; wenn alle ebenbürtig aber in ihrer Rolle ermächtigt sind; wenn gegenseitiger Respekt und Vertrauen herrschen, damit jeder sein Bestes geben kann und das Endergebnis erreicht wird; wenn Commitment auch etwas mit Team-Identität zu tun hat; wenn kontinuierliche Inspektion ständige Verbesserungen bewirkt; wenn man sich gegenseitig unterstützt, denn um gemeinsame Erfolge zu erzielen, muss man gemeinsam Schwierigkeiten überstehen (Achtung: Empathie erhöht die Ausschüttung des Hormons Oxytocin, welches sich positiv auf das Team-Spirit auswirkt).

Daher lautet mein Fazit: Bei genauerem Hinsehen lassen sich die Events und Artefakte in Scrum auch durch andere ersetzen. Was den Erfolg von Scrum in der Praxis aber wirklich ausmacht, ist ein Mindset, das Flexibilität und Freiheit bietet – sprich, letztendlich, Agilität.

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