Was Organisationen und Unternehmen von Scrum lernen können

Von Dr. Ina Simeonova , 12.04.2019, 09:27
Agile Prinzipien

Nicht nur IT-Unternehmen und -Abteilungen können von Agilität profitieren, sondern alle Organisationen. Ich engagiere mich zum Beispiel neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit für die PENTASYS AG als ehrenamtliche Führungskraft einer Non-Profit-Organisation. Dabei habe ich gelernt, Themen und Situationen, mit denen ich mich im beruflichen Alltag beschäftige, auch aus einer übergeordneten Perspektive zu betrachten und nicht nur aus der rein situativen. Natürlich hat Scrum seine Wirksamkeit in der IT bereits hinreichend unter Beweis gestellt. Das Framework enthält aber auch Grundsätze von guter Führung, die für jede Organisation als Vorlage dienen können. Einige davon möchte ich hier näher vorstellen.

Agile Prinzipien für erfolgreiche Führung

Der Antrieb hinter jedem Unternehmen sind nichts anderes als die Menschen. Will das Unternehmen etwas erreichen, gelingt dies nur dank der Mitarbeit seiner Angestellten. Es ist einfach für Führungskräfte, zu bemängeln, dass Mitarbeiter nicht das umgesetzt haben, was von ihnen erwartet wurde. Weniger einfach ist es, in sich zu gehen und zu fragen, warum dies so ist. Mittlerweile ist vielen klar geworden, dass Mitarbeiter in vielen Fällen gar nicht genau wissen, was von ihnen erwartet wird.

Die Managementexperten Blanchard und Spencer machen in ihrem berühmten Buch „The New One Minute Manager“ eine Analogie zum Bowling auf: Ein Mitarbeiter wirft den Ball so gewissenhaft wie möglich; die Pins (sprich die Erwartung, welche der Mitarbeiter erfüllen soll) befinden sich aber hinter einem Tuch. Somit ist nicht klar, wohin der Wurf abzielen muss. In anderen Worten: Es wird „im Dunklen rumgestochert“. Die Autoren beschreiben dabei die Vorteile einer gemeinsamen Zielsetzung: Wissen die beteiligten Mitarbeiter, wo die Pins sich befinden bzw. wohin gezielt werden soll, sind sie empowered. Der Weg zum Ziel steht somit frei. Klarheit, Freiheit und das Empowerment sind sehr große Motivatoren.

Agile Prinzipien steigern die Mitarbeitermotivation

Im Scrum äußert sich dies im „Sprintziel“, in  der „Definition of Done“ sowie in der Selbst-Organisation des Teams. Das Ziel (also die Erwartung) wird während der Spintplanung gemeinsam und im kollektiven Einverständnis gesetzt, so dass sich jedes Team-Mitglied damit identifizieren kann. Das Team weiß genau wie viele Pins („Definition of Done“) es umwerfen muss, um zu gewinnen. Wie genau das erreicht wird, steht dem Team frei. Diese Art der Selbst-Organisation führt zu Empowerment. Das Gefühl der Erfüllung ist nämlich bei den meisten Menschen höher, wenn sie die Gelegenheit haben, „selbst auf die Lösung kommen“ zu dürfen, als wenn sie eine Liste von Prozess-Schritten erhalten, die sie abarbeiten müssen. Das Ergebnis davon ist, dass sie dieses Gefühl immer wieder erleben wollen und motivierter sind, sich dafür einzusetzen.

Bei der Zielformulierung gibt es bestimmte Punkte zu beachten. In Anlehnung an „Frag immer erst: Warum“ von Simon Sinek, wirken (Sprint-)Ziele erst dann besonders motivierend, wenn aus diesen ersichtlich wird, „Warum“ wir etwas tun. Es soll nicht heißen „Mindestens 40 Story Points umsetzen“ oder „Mindestens 5 neue Investoren einwerben“. Das sind Details. Sondern eher „Memory Storage: to Infinity and Beyond“ (Warum setze ich 40 Story Points um? Um unendlich viel Speicher für meine Anwendung zu haben!) oder „Money Money Money, Must be Funny“ (Warum soll ich 5 neue Investoren einwerben? Weil ich mit den finanziellen Mitteln Projekte umsetzen kann – und Projekte machen mir Spaß!).

Aus neurowissenschaftlicher Sicht sprechen diese Zielformulierungen bzw. die Antwort auf die Frage „Warum?“ im Gehirn das limbische System an, welches für unsere Gefühlswelt zuständig ist. Ein Gefühl der Verbundenheit mit dem Ziel entsteht; die positiven Gefühle, die dabei empfunden werden sind wirksame Motivatoren – zum Beispiel die Vorstellung und die Vorfreude, sich nie wieder Sorgen um Speicher oder Finanzierung machen zu müssen. Die Motivatoren sorgen dafür, dass wir das Ziel nie aus den Augen verlieren und uns dafür einsetzen, es unbedingt zu erreichen.

Kommentare

Anke Scheuber 16.04.2019, 09:44:55

Sehr schön beschrieben sind diese Aspekte auch hier:

Gerald Hüther
Was wir sind und was wir sein könnten
Ein neurobiologischer Mutmacher

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